Ö1

Radiokolleg - Republik Moldau

moldauDauerkrise im ärmsten Land Europas (4). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch Wird das Experiment gelingen? Wie lange wird die neue Koalition halten? Viele Beobachter/innen und Bewohner/innen der Republik Moldau reagierten mit einer Mischung aus Optimismus und Skepsis, als sich Ende Juli 2019 eine pro-europäische und eine pro-russische Partei zu einem Regierungsbündnis zusammenschlossen. Die neue Ministerpräsidentin Maia Sandu erhielt dabei sowohl die Unterstützung der Europäischen Union als auch die der USA und Russlands. Von einer Zeitenwende zu sprechen erschien vielen dennoch zu voreilig. Wie andere postsozialistische Länder hat auch die Republik Moldau bereits Anfang der 2000er Jahre die Erfahrung gemacht, dass ein vielversprechender Aufbruch nur allzu rasch in eine neue Misere und Konflikte führen kann. Schließlich ist das Land - so wie andere ehemalige Mitgliedsstaaten der UdSSR - gepalten zwischen West und Ost, zwischen einem engeren Verhältnis zu Russland und einer intensiveren Anbindung an die EU, mit der bereits ein Assoziierungsvertrag geschlossen und Visafreiheit ausgehandelt wurde. Die Republik Moldau, die zwischen Rumänien und der Ukraine liegt, ist weniger als halb so groß wie Österreich. Die große Zahl an ethnischen und sprachlichen Minderheiten erklärt sich aus der wechselvollen Geschichte, in deren Verlauf das heutige Staatsgebiet Teil des mittelalterlichen Fürstentums Moldau war, dann unter osmanischer und russischer Vorherrschaft stand und im 20. Jahrhundert schließlich einmal an Rumänien, dann wieder an die Sowjetunion angeschlossen wurde. Weitgehend ausgelöscht wurde im Zuge des Zweiten Weltkriegs die einstmals starke jüdische Bevölkerung. Die unterschiedlichen Geschichtsdeutungen, die sich aus dieser Komplexität ableiten, kann jeder aufmerksame Besucher in Kürze wahrnehmen. Man muss nur darauf hören, wer wann das Wort "Befreiung" oder "Besatzung" benutzt. Der Streit um Geschichtsbücher zieht sich wie ein roter Faden durch die 28 Jahre seit der Unabhängigkeit 1991. Verbunden mit dem Streit um Geschichte und Identität sind territoriale und Machtkonflikte. Schon Anfang der 1990er Jahre spaltete sich Transnistrien ab, bis heute wird dieses Land aber von keinem Staat der Welt anerkannt. Die Loslösung der Gagausen im Süden konnte die Regierung in Chisinau durch die Gewährung einer Autonomie abwenden. Bis heute aber hat keine Regierung die ökonomischen Probleme bewältigt. Die Republik Moldau mit ihren rund 3,5 Mio Einwohner/innen gilt als das ärmste Land Europas. Hundertausende haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt, um sich in Westeuropa oder in Russland eine bessere Existenz aufzubauen. Geplagt wird die Republik Moldau weiterhin von extrem hoher Korruption und den Machtspielen der Oligarchen. So ist noch immer nicht geklärt, wohin im Zuge eines Bankenskandals vor einigen Jahren knapp eine Milliarde Dollar verschwunden sind. Die EU stellte angesichts derartiger Zustände zeitweilig sogar ihre Fördergelder für Chisinau ein. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Zivilgesellschaft stehen auch 2019 auf schwachen Beinen.
Donnerstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen

Watergate-AffäreWatergate Ein Skandal erschüttert die USA Martha Gellhorn Kriegsreporterin ohne Kompromisse Das Kalenderblatt 17.10.1956 Der 13-jährige Bobby Fischer besiegt Meister im Schach Von Christiane Neukirch Watergate - Ein Skandal erschüttert die USA Autor: Florian Kummert / Regie: Susi Weichselbaumer Die Watergate-Affäre - eine politische Krise, die zum Mythos wurde. Der nächtliche Einbruch in die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei im Washingtoner Watergate-Hotelkomplex im Juni 1972 führte am 9. August 1974 zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon und zu einer massiven Vertrauens- und Staatskrise. Nixon, von einer tiefgehenden Paranoia geprägt, verstrickte sich immer mehr in Ausflüchte und Lügen, und konnte nach den Recherchen der Washington Post-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein und dem Bekanntwerden von inkriminierenden Tonbandmitschnitten der Amtsenthebung nur durch den eigenen Rücktritt entgehen. So wird Watergate zu einer Krise, die zwar das Ansehen des Präsidentenamtes und der Exekutive schwer beschädigt, die aber das politische System öffnet und transparenter macht. Und sie wird ein Beleg dafür, dass sich die US-Demokratie selbst reinigen kann, durch investigativen Journalismus, die vierte Gewalt, die mit Hilfe legendärer, lange geheim gehaltener Quellen wie "Deep Throat" eine wichtige Wächterfunktion im Staat erfüllt. Martha Gellhorn - Kriegsreporterin ohne Kompromisse Autorin: Susanne Hofmann/ Regie: Irene Schuck Es ist fast eine Ironie der Geschichte, dass die US-Journalistin und Autorin Martha Gellhorn sich mit 89 Jahren selbst das Leben nahm, nachdem sie über ein halbes Jahrhundert lang Geschichten tödlicher Gefahren gesammelt hatte wie andere Leute Briefmarken. Beginnend mit dem Spanischen Bürgerkrieg Ende der 1930er Jahre bis hin zum Contra-Krieg in Nicaragua 1990 war sie in jedem großen Krieg des 20. Jahrhunderts mit dabei, an vorderster Front: Als eine der ersten Kriegsreporterinnen überhaupt, bewaffnet nur mit einer Schreibmaschine. Dazu befähigte sie ein furchtloses Temperament, ungezügelte Neugier, ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, die Gabe der genauen Beobachtung sowie die Fähigkeit, Erlebnisse lebendig, anschaulich und auch mit Witz zu erzählen. Ihre Schilderungen ziehen noch heute Leser in ihren Bann und mahnen vor dem menschengemachten Leid des Krieges. Ein Porträt der unerschrockenen US-amerikanischen Autorin und Kriegsreporterin Martha Gellhorn. Moderation und Redaktion: Iska Schreglmann
Donnerstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Antibiotikaresistenz

AntibiotikaresistenzEine Wunderwaffe verliert ihre Wirkung (4). Gestaltung: Madeleine Amberger Die Warnung des Direktors der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, konnte deutlicher nicht ausfallen: "Die Antibiotikaresistenz droht, 100 Jahre medizinischen Fortschritts zunichtezumachen." Um diese zu bekämpfen startete die WHO im Juni 2019 eine internationale Kampagne. In Europa sterben jährlich 33.000 Menschen an multiresistenten Keimen, Bakterien also, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Die Zahl der Todesfälle steigt seit 2007 kontinuierlich. Ein internationales Forscherteam warnte im August 2019 vor der Ausbreitung sogenannter extrem resistenter Krankheitserreger in Europas Krankenhäusern. Bakterien der Art Klebsiella pneumoniae sprechen nicht einmal mehr auf Reserveantibiotika an, die Ärzte zurückhalten und nur bei den schwersten Krankheitsfällen einsetzen. Dass Bakterien gegen Antibiotika resistent werden, ist eine natürliche Entwicklung der Evolution. Davor warnte schon Alexander Fleming. Als der schottische Bakteriologe 1928 nach einem Urlaub in sein Labor an der University of London zurückkehrte, entdeckte er durch Zufall das erste Antibiotikum: Penicillin. Ein Schimmelpilz der Gattung Penicillium (Pinselschimmel) hatte nämlich seiner Bakterienkultur den Garaus gemacht. Erst 15 Jahre später, 1944, kam Penicillin als Medikament auf den Markt. Alexander Flemings Entdeckung revolutionierte die Therapie von Infektionskrankheiten und rettete Millionen Menschen das Leben. 1945 wurde ihm dafür der Nobelpreis verliehen. Die Ursachen für Antibiotikaresistenzen sind seit Jahren bekannt: Zu viele Menschen nehmen zu häufig Antibiotika ein bzw. setzen diese zu früh ab. Die Weltgesundheitsorganisation kritisiert, dass es sich weltweit bei rund 50 Prozent der Antibotikarezepte um Fehlverschreibungen handelt. Das Problem beginnt in den Arztpraxen. Oft beugt sich der Arzt dem Druck eines grippekranken Patienten, der ein Antibotikum fordert, obwohl es sich bei Erkältung und Influenza um Viruserkrankungen handelt. Resistente Krankheitserreger durch zu viel Antibiotikaeinsatz entstehen auch in der Veterinärmedizin. In Europa sinkt allerdings der Einsatz von Antibiotika bei Zuchttieren kontinuierlich. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Denn in der EU dürfen ab 2021 Antibiotika nur in Ausnahmefällen an Tiere verfüttert werden.
Donnerstag 09:30 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Pizzica pizzica

pizzica pizzicaÜber neue Tarantella-Strömungen in Italien (4). Gestaltung: Christina Höfferer Die Pizzica pizzica ist ein uralter Tanz aus der Gegend von Lecce in Apulien. Bis in die 50er Jahre wurde die Pizzica Pizzica getanzt, dann kamen Migration und Modernisierung und die Pizzica Pizzica geriet in Vergessenheit. Anfang der 2000er erfuhr der alte Tanz einen neuen Energieschub, der eng mit der Wiederentdeckung der Praxis des Tarantismus einherging. Die Pizzica Pizzica ist der Soundtrack für den Tarantismus, eine archaische Musiktherapie. Wenn sich bei einer Apulierin, oft waren es Frauen, aber nicht nur, ein spürbares Unbehagen deutlich machte, welches aus psychologischer Sicht in Zusammenhang mit der Familien- und Sozialstruktur erklärt werden kann, dann besagte die Tradition, dass diese Person von der Taranta, der Tarantel gebissen worden sei. Um sich von dem Gift des meist metaphorischen Spinnenbisses zu befreien, musste man tanzen. Das komplexe Ritual des Tarantismus in Verbindung mit stundenlanger Performance der Pizzica Pizzica ist ein Heilungsprozess. Die Familie bestellte eine Musikgruppe, die anhand verschiedener Sounds und Rhythmen die betroffene Person nach anhaltendem exzessivem Tanz wieder zur Ruhe brachte. Aus der Musik der Pizzica Pizzica und dem Ritual der Taranta entstand in Italien eine neue, höchst populäre, Musikströmung. Der Neapolitaner Eugenio Bennato entwickelte seine Bewegung "Taranta Power", der Musiker Vinicio Capossela erfuhr seinen Durchbruch mit "Il ballo di San Vito", 2019 gewann Capossela die Targa Tenco, den Preis für das beste Album, mit "Ballate per uomini e bestie", "Tänze für Menschen und Bestien". Der Tarantismus wird heute vor allem im Zusammenhang mit dem Schamanismus studiert. Beide Phänomene beruhen auf denselben biophysikalischen Elementen, auf der physiologischen Antwort des Körpers auf bestimmte Rhythmen. Der Rhythmus muss nicht besonders akzentuiert, wohl jedoch regelmäßig sein, zwischen vier und zwölf Schläge pro Sekunde. Vor allem im Bereich um die sieben oder acht Schläge pro Sekunde kommt es zu einer Art Gleichklang von Musik und Gehirnwellen. Dieser wird mit dem Fachbegriff des "Entrainment" bezeichnet. Die Gehirnwellen verlangsamen sich, die Person gerät in Trance.
Donnerstag 09:45 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

holzHolz Die Mär von der sauberen Energie Umweltkriminalität Milliardengeschäfte mit Wilderei und Raubbau Das Kalenderblatt 17.10.1956 Der 13-jährige Bobby Fischer besiegt Meister im Schach Von Christiane Neukirch Holz - Die Mär von der sauberen Energie Autorin: Daniela Remus / Regie: Holz ist als Energielieferant seit einigen Jahren heiß begehrt. Nicht nur weil es in der kalten Jahreszeit so gemütlich knistert und wärmt, sondern vor allem, weil das Image vom Holz so ausgesprochen positiv ist: Klimafreundlich und erneuerbar soll diese Ressource sein. Aber stimmt das überhaupt? Wächst so viel Wald nach, wie dafür benötigt wird? Schon jetzt gibt es einzelne Berichte, dass die Pellets für Öfen und Kamine nicht nur aus Restholz der Sägewerke hergestellt werden, sondern auch aus Baumkronen. Im Durchschnitt ist der deutsche Wald erst 77 Jahre alt, ein vergleichsweise junges Alter, bei dem die Vorräte begrenzt sind, wie die Forstwissenschaftler sagen. Besondere Sorge aber bereitet ihnen die großflächige Abholzung der osteuropäischen Wälder, die auch für die hiesige Holzwirtschaft genutzt werden. Wie kann eine nachhaltige Holzwirtschaft garantiert werden und ist Holz tatsächlich die grüne Energiealternative? Umweltkriminalität - Milliardengeschäfte mit Wilderei und Raubbau Autorin: Renate Ell / Regie: Christiane Klenz Mit dem Schmuggel von Elfenbein, Tropenholz, Edelmetallen, Fisch, Abfällen, Chemikalien können internationale Banden heute leichter Geld verdienen als mit Waffen oder Drogen. Auf bis zu 258 Milliarden Dollar schätzt Interpol den Wert ihrer Beute - damit rangiert die Umweltkriminalität vor dem Schmuggel von Kleinwaffen. Doch in den betroffenen Ländern ist die Polizei schlecht ausgestattet, und weltweit stehen eher Waffen und Drogen im Fokus der Behörden als Reptilien oder Holz. Die Kontrollen sind unzulänglich, die Strafen kaum abschreckend. Auch weil die Folgen nicht immer sofort zutage treten. Illegales Abholzen oder Minen-Abwässer können Ökosysteme langfristig schädigen oder sogar zerstören, Wilderei kann Arten an den Rand des Aussterbens bringen, und der Schmuggel von ozonschädigenden FCKW hat sogar globale Folgen. Weltweit tragen Wissenschaftler dazu bei, diese Folgen publik zu machen. Oder sie entwickeln Methoden, um Tropenholz sogar noch in Papier zu identifizieren - weil ein Großteil inzwischen auf diesem Weg in die EU geschmuggelt wird. Doch solange Polizei und Justiz dem Milliardengeschäft kaum etwas entgegensetzen, werden Wilderei und Schmuggel weitergehen. Moderation: Birgit Magiera Redaktion: Matthias Eggert
Donnerstag 15:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg

TarantellaRepublik Moldau. Dauerkrise im ärmsten Land Europas (4). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch Antibiotikaresistenz. Eine Wunderwaffe verliert ihre Wirkung (4). Gestaltung: Madeleine Amberger Pizzica pizzica. Über neue Tarantella-Strömungen in Italien (4). Gestaltung: Christina Höfferer
Donnerstag 22:08 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren